Alles darf gesagt werden, nur das eine nicht.
Erinnern ist ein Hut im Regenwetter, der uns nicht richtig sitzt. Der Hut ist ein besonderer Versuch der Sprache - Mit Billardblicken berechnen wir die Einfallswinkel der Genugtuung.
Die Sprache ist eigentlich ein seegrasgesfilterter Schnupfen. Eigentlich - das heißt, nicht jetzt, nicht eben, nicht gleich. Eigentlich grast die Sprache in unterseeischen Ohren. Es wächst in ihnen und wird stetig mehr, als es war.
Hände, die selten die unseren sind, stellen gestielte Floskeln in Vasenbäuche. Mit schiefgelegtem Kopf die Schattenahnung der Erwartung des Schöneren. Auf Knien befeuern wir die tuffsteinernen Öfen im Hinterland. Die Zeiger der Tage ziehen spitz und unbarmherzig ihre Kreise - schnell im Glück, sie dehnen das Leid.
An Nachmittagen wird in den Hallen stillgelegter Stahlwerke gefegt. Auf Uhren blickend stets die Statiker des Verstands - Der denkt an ihren Feierabend. Und überall ist Dienstschlussmotivation - Ein Eilen hin zu den Bordellen des gesunden Menschenverstandes. Unentwegt im TV die Münder und Schenkel magersüchtiger Blondinen - sie öffnen sich und können dem weißen Rauschen doch nichts entgegensetzen.
Hinter den Wänden, herabgelassen an gläsernen Schnüren, selten Fragen - Wie kam das Seegras vom Meeresboden hierher? Wie kommen wir, sprechend, auf Meeresböden? Ist hier aber Meer? Ist dort Land? Gewiss ist - Unter dem Wasser ist auch Sprache, gefiltert. Unter Wasser ist Sprache auch ein Zusammenlegen von Fingern. In seeischen Fernen - Hörte man je die Wale dort schreien?
Und wieder gehen wir an so vielem vorbei, Tag für Tag. Die tote Vasenzierde des Mädchenauges bleibt offnen Blicks verschlossen. Bald stinken ganze Meere vergessener Blumenwasser. Wenn wir gestorben sind, bereiten wir anderen Sorge. Wir verlängern das Sterben nach dem Sterben. Der Tribut ist gezollt, versenkte Kupferpfennige in geerbten Behältnissen. Was gesagt werden musste, durfte nicht gesagt werden.
Und so ist das Jetzt, wie wir es hinnehmend glauben. Angespült an Strände, wo sie nicht hingehören, blähen Gase die verwesenden Leiber riesiger Meeressäuger. Man rückt an mit Planierraupen, verschiedenen schweren Gerätschaften, gelb gestrichen. Gummistiefel drücken Gaspedale. Es sind Geräusche des Willens, die die glühend heißen Auspuffrohre erzittern lassen. Im Krach der Anstrengung hören wir auch keine Sprache. Es ist ein Öffnen und Zusammenlegen von Lippen.
Die Vorgärten haben nach dem letzten Mähen wieder ihre geforderten Uniformen angetan. Es neigen hölzern sich die Zäune vor Wegen, die stets ins Gleiche führen. Alles so wie uns geheißen. Vergessen ist das Vergessen.
Vorzeitig verwittern Erinnerungsreste unsere gelben Gesichter. Alles darf gesagt werden, nur das eine nicht. Gelb ist eine vortreffliche Sinnestäuschung.
Woher aber kommt die atomare Unruhe des Zwerchfells?
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