Chris Johnson

Ortsdurchfahrt

Mit dem Wagen durch den kleinen Provinzort in der Herbstnässe, Baumleichen säumen die Hauptstraße, kahl und fahl anthrazit. Vom Himmel drückt graue und schmutzige Wolkenemulsion: Das dicke Kind Natur versuchte sich mit dem Farbkasten, immer wieder den Pinsel ausgewaschen im Wasser, erst färbt es sich rot, dann braun, dann quellen blumenkohlförmig die Grautöne im Glas und verraten das Misslingen des Gemäldes.

Es ist taghell, doch so, als sei der Ort mit stumpfem Kunstlicht bestrahlt, nichts leuchtet; die Farben der Reklameschilder sind erloschen, wer läse die sinnlos gewordenen Schriftzüge? Haus an Haus geklotzt, Nachkriegsbauten, elende Etagen unter vermooste Dachdreiecke voller Taubenkot gezwängt, quadratisch mit quadratischen Fenstern, die mit Gardinen von innen verhängt sind – tief innen verbrauchte Hausfrauen mit fleckigen Schürzen, schiefgesessene Sofas, Kohldünste aus abgelaufenen Teppichböden; nachts, wenn der Mond am Tintenmeer sein übermüdetes Auge auftut, die geballten Fäuste, weit offenen Münder, verrutschten Bettlaken.

Noch bergen die auf den Gehwegen herumwirbelnden Laubnester Lebensreste; rot, gelb, braun; auch sie werden bald vergehen.


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