Chris Johnson

Nutzen der Vergangenheit

Etwas dem Verborgenen entreißen, mit hohen Stiefeln in das Dickicht des Schweigens, die Häckselmaschine im Kopf, Fleischwolf, Shredder, alles kurz und klein gehauen, Gedankenschnipsel, die im Locherboden aufgefangenen, tausendfarbenen runden Papierplättchen, ausgestanzte Vollmonde, Halbmonde, Konfetti, Erinnerungsstaub, Erlebnisreste, Gedankenfetzen, Splitter, Bruchstücke, Scherben.

Was häuft sich da an: Bergeweise Phantasiekehrricht, Momentaufnahmenschutt, Sinterschlamm der Erinnerungen in den Kellern, Katakomben, Gewölbegängen, unterirdischen Stollen, grubenbeleuchteten Untertagesälen, Abraumhalden der schwarzen Krypta der Seele, tief im Gestrüpp, im Morast verlorener Jahre, verlorener Jahrzehnte.

Der einzige Nutzen der Vergangenheit: Etwas nur, etwas bergen, retten, etwas zum Hervorziehen, zum Anfassen, Befühlen, Drehen und Wenden und wieder Wegstecken, nur einen kleinen Moment der Vergänglichkeit abringen, dem Tod ein Bein stellen, der Verwesung ein Schnippchen schlagen und lachen, lachend einen Block Sprache aus der Tasche zaubern, einen kleinen nur, zum dran festhalten, etwas für die nervösen Hände - und lachen, lachen, sich biegen vor Lachen, schallend lachen, Tränen lachen, lachen, lachen.


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